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Anmerkungen zu einer Tageszeitung in Nordhessen

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Nichtleser und die Zielgruppe

Eingestellt am 03. November 2012 um 17:16 Uhr » Medien (Nord-) Hessen Politik

Betrachtet man, wie Leser der regionalen Tageszeitung Artikel im Internet kommentieren, fällt eine gewisse „Mehrheitsmeinung“ auf, die dem besonnenen Nordhessen zu denken gibt: Da wird mit immer gleichen Floskeln eine „Überfremdung“ herbeigeredet und über „Privilegien“ von „Ausländern“ geschimpft. Und obwohl Kassel Sitz einer mittlerweile auch etablierten Universität ist, hadert der „Leserstammtisch“ immer noch mit den „faulen und verwöhnten Studenten“. Zwei aktuelle Beispiele dafür sind die Leserkommentare zum Umbenennungsvorschlag für die Straßenbahnhaltestelle Mombachstraße (obwohl die HNA mittlerweile versucht, deeskalierend in die Diskussion einzugreifen) sowie eine harmlose Meldung über den Kasseler Wohnungsmarkt.

Nicht nur, dass sehr grenzwertige Kommentare von der Redaktion unbehelligt bleiben, auch scheint die politische und gesellschaftliche „Mehrheit“ in der Region eine andere zu sein. Denn in der bundesdeutschen Demokratie äußert sich gemäß GG Artikel 20 der Mehrheitswille in Wahlen und Abstimmungen und nicht am (Leser-) Stammtisch.

Dass es hier zu einer verzerrten Wahrnehmung kommt, könnte eben genau an diesen verschiedenen „Mehrheiten“ liegen. Der „Stammtisch“ deutet auf das Fehlen bestimmter Gruppen in der Leserschaft hin. Das verzerrt insofern die Wahrnehmung, als dass diese Tageszeitung versucht, eine extreme Bandbreite von Interessen, sozialen Schichten und Bildungsniveaus abzudecken und dabei hofft, eine repräsentative, gefühlte Temperatur zu ermitteln [StadtZeit-Interview mit dem HNA-Chefredakteur]. Diese kann bei der eigenen Leserschaft recht einfach ermittelt werden – nur wie lässt sich diese „Temperatur“ bei denjenigen „messen“, die der Zeitung den Rücken gekehrt haben?

Die zwei ausgewählten Beispiele oben lassen vermuten, dass Migranten und Studierende keinen signifikanten bzw. repräsentativen Anteil an der Leserschaft haben. (Darauf deutet auch die regelmäßige Werbung für Probeabos in so genannten „Studierendengegenden“ hin.) Gleichwohl ist deren Anteil an der Bevölkerung nicht unerheblich. Fraglich ist allerdings, ob die Leserschaft zunimmt, wenn ihr weiterhin die geballte „Gastfreundschaft“ des „Online-Stammtischs“ entgegen schlägt.


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